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(Mai 1998, von Ralf Weber, Heidenheimer Neue Presse)
Nie mehr laß ich einen fliegen...
...denn ,"Fahren" lautet die Devise bei der
Fuchsjagd der Heißluftballons
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23 Heißluftballonpiloten präsentierten am
Wochenende ihre Heißluftballone auf der
Steinheimer Heiderose beim alljährlichen Treffen
des Ballonsportclubs Hellenstein. Zur zweiten Fuchsjagd
am Samstag fuhr HNP-Mitarbeiter Ralf Weber mit, um nach
der Landung nach eineinhalb Stunden ein anderer Mensch
zu werden.
Um eine Fährt in einem Heißluft
zu beschreiben kann man es kurz und bündig mit
Italo-Bayer Trappatoni halten: "Sind (Gas-) Flaschen
leer ich (der Ballonfahrer) habe fertig:" Wer sich
jedoch zu dieser Betrachtungsweise herab
läßt, der hat weder Mythos noch Hintergrund
der Ballonfahrerei erfaßt. Denn Ballonfahren ist
mehr, sehr viel mehr als nur über den Luftweg von
Punkt A nach Punkt B zu fahren. Am Anfang steht ein
kleines Chaos.
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Ein unglaubliches Getümmel herrschte auf der
Steinheimer Heide, als die Gespanne der Ballonfahrer
eintreffen. 23 Autos mit Anhänger und wuseligen
Insassen beherrschen den Platz. Jeder bekommt seine
eigene Stelle zugewiesen von wo der Ballon sich mehr
oder minder majestätisch ins faszinierende Element
Luft erheben kann.
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Buch-Tipp

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Wo eben noch grüne Wiese war, breiten sich
kurz darauf unter dem Lärm von Gebläsen und
zu groß geratenen Camping-Kochern die riesigen
Stoffhüllen aus und werden praller und praller.
Gerade in den Korb gestiegen, der zu diesem Zeitpunkt
nur noch vorn Seil am Abschlepphaken des VW-Bully der
Römelings gehalten wird, sieht man den "Fuchs"
aufsteigen den blauen "Radio 7" Ballon. Dem werden sie
später alle nachfahren. Sein Pilot wird
demjenigen, der ihm bei der Landung am nächsten
auf die Pelle rückt, zum Sieger gekürt.
Chauffiert wurden Ralf Weber und drei andere Wagemutige
vom 22jährigen Nils Römeling pardon, Prinz
Nils von Düppenweiler, der nach der
Pilotenprüfung vor vier Jahren lange Zeit einer
der jüngsten Ballonpiloten in Deutschland war.
Zunächst klärt er die Unkundigen
über ein paar Klischees der Ballonfahrerei auf:
Sandsäcke? Falsche Liga! Die gehören
nämlich zu den Gasballons, die im Vergleich zu den
Heißluftballons in Deutsch1and total
unterrepräsentiert sind.
Ein Knistern im Funkgerät, dann folgt
die Startfreigabe. Geräuschlos hebt sich der
größte der Ballons in die Luft,
läßt die Schaulustigen am Boden immer
kleiner und die Steinheimer Heide immer mehr wie
Legoland aussehen.
Zum Nachdenken bleibt nicht viel Zeit: das
erste Geräusch in der Luft holt die Neulinge
zurück in die Realität. Laut rauscht die
Propangasflamme mit der Pilot Nils die Luft in die
Stoffhülle erhitzt. 3000 Kubikmeter heiße
Luft halten den Ballon in der Luft.
Mehr und mehr festigt sich bei den Neulingen
die Gewißheit daß Floskeln wie "nur Fliegen
ist schöner" doch ihre Berechtigung haben - doch
halt: Ballonfahrer fliegen nicht, sie fahren. Mit
links, auch wenn mit der rechten Hand gibt Nils
Römeling dem Ballon mit sechs Meter hohen Flammen
Feuer und dirigiert ihn in die geschichteten
Luftströmungen so, wohin er will.
Nils Römeling ist die Ruhe selbst. Nur
einmal wird er etwas hektisch, als der Ballon über
einem Waldstück durch aufsteigende kalte Luft an
Höhe verliert. "Wenn jetzt nicht voll geheizt
wird, stechen wir in den Wald runter", erklärt
er.
Dann hat der Fuchs das Fahren satt und
läßt sich in der Nähe von
Böhmenkirch nieder. Prinz Nils hält exakt auf
ihn zu, bis ihn eine Strömung nahe des Waldrandes
erfaßt und etliche Meter abtreibt. Mehr
Glück haben der Schweinfurter Elmar Fietz und die
beiden Heidenheimer Gerhard Straub und Peter Aigen, die
die Plätze 1 bis 3 belegen.
Die drei Aufsetzer vor der Landung waren
ebenso wenig eingeplant wie im geringsten tragisch. Wer
jetzt glaubt, mit dem Einpacken des Ballons hat es
sich, der irrt! Nach der ersten Fahrt kommt die
Bal1onfahrertaufe. Nach dem Ballonfahrereid mit dem
Versprechen, den neuen Titel nach Taufe respektive
Erhebung in den "Adelsstand der Ballonfahrer" binnen
einer Viertelstunde auswendig zu lernen wird dem
Neuling ein Büschel Haare angezündet und mit
Sekt gelöscht. Nun tut jeder gut daran, seinen
neuen Namen zu lernen, will er nicht ohne Ende "Runden"
zahlen wenn später getaufte Ballonfahrer nach dem
Namen fragen. Und der hat es in sich: Graf Ralf,
schweigend genießender Raubritter zur Fuchsjagd
von Steinheim heißt Ralf Weber nun.
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